Das Orchester Kaltbrunn Niederurnen (OKN) gab sein diesjähriges Sommerkonzert am 6. Juni in der Kirche der Abtei St. Otmarsberg in Uznach – anstatt wie in vorherigen Jahren auf Maria Bildstein in Benken. Unter dem Motto «Tanzend um die Welt» begeisterte das OKN das zahlreich erschienene Publikum mit einer ganzen Reihe von wundervollen sinfonischen Tänzen. Wiederholt wurde das Konzert am Sonntag, 7. Juni vor noch mehr Publikum - erstmals open Air beim Schulhaus am Bach in Mollis. Nach einer schwungvollen Ouverture mit dem Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms erläuterte Dirigent David Schwarb sehr sympathisch und kurz das musikalische Programm: Einmal rund um Europa und die Welt! Und so war es auch: Mit Edvard Griegs urchigem Norwegischen Tanz op. 25 Nr. 1 ging es in den Norden, mit Antonín Dvořáks Slawischem Tanz op. 46 Nr. 4 in den wunderschön ländlichen Osten, mit Roger Quilters (1877–1955) Englischem Tanz op. 11 Nr. 3 in den quirlig-expressiven Westen und mit Manuel de Fallas (1876–1946) anspruchsvollem Spanischen Tanz Nr. 1 in den lebensfrohen Süden. Etwas ruhiger und mit viel Rubato ging es zu und her bei den Steyrischen Tänzen op. 165 von Joseph Lanner (1801–1843): Immer wieder hörte man Anklänge an den späteren Wiener Walzer eines Johann Strauss Sohn.
Linard Bär überzeugt als Solist an der Trompete
Abwechslung und Höhepunkt war der beeindruckende Auftritt von Solist Linard Bär: Sehr überzeugend und mit grosser Spielfreude interpretierte er den ebenso virtuosen wie lyrischen Russischen Tanz op. 32 für Trompete und Orchester von Oskar Böhme (1870–1938). Gratulation dem jungen Künstler, Linard Bär! Auch das Orchester zeigte sich der Komposition in der nicht von allen geliebten Tonart es-Moll gewachsen. Der Abschluss des Konzerts war weiteren Weltregionen gewidmet: In Alexander Glasunows (1865–1936) schwebend-hypnotischem Orientalischem Tanz op. 52/6 von 1895 glaubte man förmlich die Bauchtänzerin vor sich zu sehen.
Europäische Erstaufführung von George Gershwins Mexican Dance
Der Mexican Dance klang nach «Wildem Westen» – und war in anderer Hinsicht speziell: Die Noten für das Stück gibt es nur in der Library of Congress in Washington D.C. als Manuskript. Dank einigem Aufwand gelang dem OKN im Jahr 2026 die Europäische Erstaufführung dieses Werks von Komponistenlegende George Gershwin. Zum Schluss erklangen die sehr lebendigen Three African Dances der Afroamerikanerin Florence Price (1887–1953) – was für ein Spektakel! Dem Orchester mit Konzertmeisterin Domenica Padovan und Dirigent David Schwarb kann nur gratuliert werden für die hochstehende, konsequente Umsetzung und Ausführung dieses einzigartigen Programms. Ohne Zugabe liess das Publikum das OKN jedoch nicht gehen: Und natürlich ging es tanzend zurück in die Schweiz, genauer gesagt nach Appenzell – mit einem herzig-lüpfigen Schötteschli für Orchester von Albert Nef.