Wer zur Primetime fernsieht, begegnet früher oder später der Luzerner-Rahmkäse-Werbung. Ein Mädchen spielt dort auf der Sopranblockflöte ihren Beitrag dazu, dass der Käse mild wird. Zunächst hört man die Melodie so, wie sie in ihrer Vorstellung klingt. Erst dann wird klar, dass die Töne in Wirklichkeit ziemlich schräg geraten.
Gegenteil von krächzigem «Schulblockflöten-Style»
Für Ansagerin Prisca Schoenahl steht dies für ein klischiertes Bild, das der Blockflöte bis heute anhaftet. Jedes Instrument klinge am Anfang unbeholfen, sagte sie am Konzert des Blockflöten-Orchesters ConTatto im Juni in Pfäffikon SZ. Nur werde die Blockflöte besonders oft auf diese ersten Gehversuche reduziert. Dass sie weit mehr kann, zeigte ConTatto gleich zu Beginn. Zunächst standen Malin, Lavinia, Felice und Joel im Mittelpunkt. Die vier jungen Orchesterpraktikant:innen spielten die ersten Werke gemeinsam mit dem von Josef Manser geleiteten Ensemble.
Tanz war in diesem Programm nie bloss Unterhaltung. In Giles Farnabys (1563–1640) Lord Zouche’s Maske wurde er zur höfischen Selbstdarstellung, in Jean-Philippe Rameaus (1683–1764) Danse des Sauvages zum Friedenszeremoniell, in Edvard Griegs (1843–1907) Anitras Tanz zur Verführung. Friedrich Händels (1685–1759) Sarabande brachte getragenen Ernst, Rosemary Robinsons Dance schottische Frische und mit einem Appenzeller Rugguserli hielt auch die Schweizer Volksmusik Einzug. Marg Halls Klezmer Fantasia traf jenes nahe Beieinander von Lachen und Weinen, das diese osteuropäisch-jüdische Musiktradition prägt.
Weil die Querflöte sie nach dem Barock verdrängte, gibt es aus Klassik und Romantik kaum Originalliteratur für die Blockflöte. Manser arrangiert solche Stücke deshalb selbst. Gerade Pjotr Tschaikowskis (1840–1893) Blumenwalzer und Scott Joplins (1868–1917) Gladiolus Rag gewannen dadurch: Man meinte sie zu kennen und hörte mit ConTatto doch neue Klangfarben. Rolf Sussmann am Akkordeon – dem deutschen Instrument des Jahres 2026 – fügte sich mit seinem Gastspiel glänzend ins Orchester ein. Der Abend blieb bis zuletzt in Bewegung: mal neckisch, mal wild, mal elegant, mal schräg, und immer nah am nächsten Wippen mit dem Fuss.