Die glarnerlandstriicher traten am 26. und 27. September in Niederurnen und Ennenda unter dem Motto Perspektivenwechsel erfüllt Träume auf. Das Träumen und Wagen durchzieht die Geschichten aller Protagonist:innen der aufgeführten Stücke: Zum Beispiel die Figur Elsa (Frozen), die sich ihr Leben lang versteckt, bis sie loslässt. Simba (Lion King), der flieht, sich verliert und schliesslich zurückfindet. Fantine (Les Misérables), die träumt, obwohl die Welt ihre Träume längst zerbrochen hat. Die von der Gesellschaft Verstossenen in Barnums Zirkus (The Greatest Showman), die hervortreten und sagen: «Das bin ich.» Beth Harmon (Queen’s Gambit), die in einer Männerwelt brilliert und trotzdem einsam bleibt. Toto (Africa), der sich nach einem Ort sehnt, den er kaum kennt. Und am Schluss die Erkenntnis, dass man eigentlich nirgendwo anders sein möchte (Rather be).
Perspektivenwechsel bei den glarnerlandstriichern: Vom Publikum auf die Bühne
Nicht nur in Geschichten, auch im wahren Leben kann alles Mögliche passieren – auch bei den Konzerten der glarnerlandstriicher war das der Fall. Zum Beispiel, dass man als Fangirl im Publikum sitzt – und zwei Jahre später selbst mit dem Streichorchester auf der Bühne steht. Genau so geschehen am besagten Wochenende als Highlight im diesjährigen Programm. Sarina Wettstein kannte die glarnerlandstriicher bisher nur aus einer Perspektive: jener aus dem Publikum. Beim Jubiläumskonzert vor zwei Jahren, als das Orchester den Film The Greatest Showman live vertonte, entstand bei ihr der Wunsch, als Sängerin mit einem Live-Orchester aufzutreten. Der Samen für eine wunderbare Zusammenarbeit war gesät und die Früchte davon wurden am vergangenen Wochenende genüsslich verzehrt: Als Elsa sang sie zum Auftakt ein Medley aus dem Animationsfilm Frozen. In der zweiten Konzerthälfte kehrte sie mit neuer Garderobe zurück. Elegant, auf hohen Schuhen und mit grosser Stimme sang sie Never Enough aus dem Musical, bei dem zwei Jahre zuvor alles begonnen hatte.
Dann verschwand sie noch einmal kurz hinter der Bühne. Die hohen Schuhe blieben dort. Barfuss kam sie zurück für das Finale This Is Me. Die Botschaft sitzt, das Publikum steht, der Schlusston verstummt, der Applaus klingt. So schön kann ein neuer Blickwinkel sein.