Der schweizerisch-deutsche Komponist Joseph Joachim Raff (1822–1882)

Neu in der EOV-Bibliothek: Sinfonien und Solokonzerte von J. J. Raff

Der EOV-Bibliothekar Allard Eekman stellt neu erworbene Werke Joseph Joachim Raffs vor. Die Sinfonien Nrn. 1, 2 und 8, das Cellokonzert und das Klavierkonzert des aus Lachen SZ stammenden Romantikers können ab sofort ausgeliehen werden.

2024 haben wir für die EOV-Bibliothek vom schweizerisch-deutschen und aus Lachen am Zürichsee stammenden Komponisten Joseph Joachim Raff (1822–1882) verschiedene Werke angeschafft:

  • das Klavierkonzert c-Moll op.185
  • das Cellokonzert Nr. 1 d-Moll op. 193
  • die Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 96 An das Vaterland
  • die Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 140
  • die Sinfonie Nr. 8 A-Dur op. 205 Frühlingsklänge

Alle Werke sind für grosses Orchester komponiert – nur das Cellokonzert benötigt zum Beispiel keine Posaunen. Der Schwierigkeitsgrad ist für Fortgeschrittene (5–6 auf unserer Skala).

Raff war als junger Mann Lehrer in Rapperswil SG und als Musiker im Wesentlichen Autodidakt. Seine ersten Kompositionen wurden auf Felix Mendelssohns Empfehlung herausgegeben. Dank Franz Liszt fand er später verschiedene Stellen bei deutschen Musikverlagen. Bei Liszt arbeitete Raff ab 1845 als Sekretär und Assistent in Weimar. 1856 übersiedelte er nach Wiesbaden, wo sein Schaffen ihn bald zu einem der prominentesten Komponisten machte. Ab 1877 leitete er als erster Direktor in Frankfurt am Main das Hochsche Konservatorium.

Raff war lange in Vergessenheit geraten, obwohl sein Werk vielseitig und durchaus interessant ist: Zahlreiche Klavierstücke, Kammermusik, Opern und nicht weniger als elf Sinfonien hat er komponiert. Grundsätzlich ist Raffs Musik romantisch, sie integriert jedoch klassizistische und weitere Stilarten. Raffs Musik wurde deshalb zu seiner Zeit oft gespielt.

Für die EOV-Orchester am interessantesten ist natürlich Raffs sinfonisches Werk. Er war ein virtuoser Orchestrator. Die bekanntesten seiner Sinfonien sind Nr. 3 in F-Dur op. 153 Im Walde und Nr. 5 in E-Dur op. 177 Lenore. Die in unserer Bibliothek neu vorhandenen Sinfonien Nr. 1 An das Vaterland und Nr. 2 sind genau so schön und reichhaltig – und sie warten jetzt nur darauf, von EOV-Orchestern aufgeführt zu werden.

Mit den Sinfonien Nrn. 8 bis 11 hat Raff eine Art Zyklus geschaffen, den man Die Jahreszeiten nennen könnte. Dazu gehört die Sinfonie Nr. 8 op. 205 Frühlingsklänge. Mir persönlich gefällt diese Sinfonie besonders gut. 

Der 1. Satz der 8. Sinfonie beginnt in nahezu gespenstiger Atmosphäre und wird zusehends heller, bevor dann das fröhliche Hauptthema erscheint. Streicher und Bläser lösen sich ab. Der 2. Satz zeigt viele dynamische Abstufungen und lässt unheimliche und wilde Stimmungen hervortreten. Der 3. Satz verarbeitet raffiniert verschiedene lyrische Themen in romantischer Manier. Im letzten Satz Wanderlust entwickelt sich das Hauptthema allmählich. Die Blechbläser setzen lockernde Akzente. Es gibt durchaus Innovatives, und Raffs kompositorische Arbeit klingt namentlich an Mahler an, den er vermutlich beeinflusst hat.

Alle neu gekauften Werke von J. J. Raff können ab sofort in der EOV-Bibliothek ausgeliehen werden. 
Bibliothekskatalog
Wir beraten Sie gerne bei der Programmwahl:
EOV-Bibliothek: eov-bibliothek(at)eov-sfo(dot)ch
Bibliotheksleitung: allard.eekman(at)eov-sfo(dot)ch

Für diesen Artikel verwendete Literatur: Wipf, Peter: Begleitheft zur Aufnahme der 8. Sinfonie, ursprünglich 1978 bei Ex Libris herausgegeben, Interpreten: Radio Sinfonie Orchester Basel, Ltg. György Lehel.
Auf der Website des Raff-Archivs in Lachen und bei Wikipedia gibt es viele interessante Infos zum Leben und Werk J. J. Raffs.