Stephan Matter, seit wenigen Monaten stehst du als EOV-Präsident dem nationalen Dachverband der Amateur- und Jugendorchester und damit mehr als 7'000 Amateurmusiker:innen vor. Wir wissen, dass du 35 Jahre alt bist und in zahlreichen EOV-Orchestern Oboe spielst. Erzählst du uns etwas mehr über dich?
Aufgewachsen bin ich in Seftigen bei Thun. Berufsbedingt bin ich vor fast fünf Jahren nach Lausanne gezogen und fühle mich dort inzwischen heimisch. Ich war schon immer technisch begeistert und habe erst Mathematik, dann IT studiert. Das ist neben der Musik meine zweite Leidenschaft, aber natürlich auch mein Brotjob – ich arbeite für die Swisscom. In meiner Freizeit spiele ich viel Oboe. Das gibt mir einen Ausgleich zur Arbeit und ermöglicht mir, »den Kopf zu lüften».
Was gibt dir das Musizieren im Orchester? Wie hat sich für dich der Stellenwert des Orchesterspiels in verschiedenen Lebensphasen verändert?
Als Jugendlicher in den Jugendorchestern war sicher der soziale Teil zentral. Man geht nach der Probe gemeinsam etwas trinken und baut so mit Leuten mit gleichen Interessen ein Sozialleben auf. Das hat mich beim Instrument gehalten.
Das Soziale bleibt immer wichtig. Der Fokus hat sich für mich jedoch mehr auch zur Musik verschoben. Das Orchesterspiel ermöglicht mir, sehr viele Werke und Aspekte der Musik kennenzulernen. Alle Beteiligten arbeiten – gemeinsam und konzentriert – auf das gleiche Ziel hin. Das begeistert mich immer wieder.
Was hat dich motiviert, das Präsidium des EOV – ein mit viel Arbeit verbundenes Ehrenamt – zu übernehmen?
2012 habe ich mein erstes Vorstandsamt – gleich als Präsident – beim orchestra giovane (OG) übernommen. Ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Doch mit den anderen Vorstandsmitgliedern zusammenzuarbeiten und ein grösseres Projekt zu realisieren, hat mich sofort fasziniert.
Mittlerweile war ich in mehreren Vorständen aktiv. Die Dynamiken und die Menschen sind überall anders. Ich finde es sehr spannend, verschiedene Persönlichkeiten zusammenzubringen und als Team zu motivieren, gemeinsam etwas zu erreichen.
Für mich ist es schön zu sehen, wie die Leute Freude haben, wenn sie etwas umsetzen können. Und auch die beeindruckenden Resultate dieser Freiwilligenarbeit zu sehen, ist toll. Ich bin überzeugt, dass jede und jeder etwas beitragen kann.
Gleichzeitig ist diese Arbeit für mich jedes Mal eine «sportliche» Herausforderung. Man muss etwas wagen und schaut, ob man seine Ideen umsetzen kann. Weil es immer anders ist, ist es auch immer eine Weiterbildung, man lernt stetig dazu.
Im EOV-Vorstand gab es anlässlich der DV im Juni grosse Veränderungen. Du wurdest neuer Präsident, drei Personen wurden neu in den Vorstand gewählt und vier langjährige Vorstandsmitglieder traten zurück. Stellst du uns den neuen Vorstand vor?
Wir sind ein sehr diverses Team mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen – vom Unternehmensberater über Informatiker bis zur Kulturmanagerin. Ich bin überzeugt, dass wir die richtigen professionellen Kompetenzen mitbringen, um einen nationalen Verband zu führen.
Niccolà Schaub bleibt Kassierin und Joel Mähne ist für die Kommunikation zuständig. Allard Eekman wird gemeinsam mit dem Ausleihe-Team mit Johann Sager und Esther Boder weiterhin die Bibliothek betreuen.
Sinikka Jenni übernimmt neu die DV-Organisation und der Jurist Kenan Bajrami wird sich um Rechtsfragen kümmern. Matthias Leybold nimmt sich dem Ressort Jugendorchester an. Aktuell sind wir noch auf der Suche nach einem achten Vorstandsmitglied.
Welches sind eure Arbeitsschwerpunkte in nächster Zeit? Wo möchtest du erste Akzente setzen?
Natürlich werden wir alle bewährten Angebote und Projekte wie bisher weiterführen. Neu ist, dass wir verstärkt auf Kommunikation setzen und den EOV und die Mitgliedsorchester bekannter machen wollen. Mit der neuen Kommunikationsplattform Resonanz haben wir dafür jetzt auch die ideale Infrastruktur. Weiter ist die Bibliothek schon lange eine Kerndienstleistung – diese soll modernisiert werden. Wir möchten die Orchester wieder besser abholen, so dass sie zeitgemäss und ihren Bedürfnissen entsprechend Noten ausleihen und nutzen können.