Rückblick auf das gelungene Marathon-Projekt
Nach den zwei intensiven Konzerten hat die EOV-Redaktorin mit TSO-Präsidentin und Cellistin Christina Froidevaux über das gelungene Marathon-Projekt gesprochen.
Christina Froidevaux, wie ist die Zusammenarbeit mit Andreas Schaerer und seiner Band «Hildegard Lernt Fliegen» eigentlich zustande gekommen?
Ein Geiger des TSO kennt Andreas Schaerer und hatte The Big Wig mal live gehört. Er hat unserem Orchester die Zusammenarbeit vorgeschlagen. Allerdings war ich bei der Auswahl noch nicht in den Entscheidungsgremien dabei. Das Projekt hätte bereits vor mehr als einem Jahr realisiert werden sollen und musste pandemiebedingt verschoben werden.
Wie war die Probenarbeit mit Andreas Schaerer und der ganzen Band? Wo lagen die Herausforderungen?
Es war extrem spannend! Andreas hat uns einiges zum Werk erzählt und auch sonst viele Inputs gegeben. Er und unser Dirigent Laurent Gendre haben äusserst gut harmoniert, das hat es für uns einfach gemacht. Einerseits war das Spiel mit der Band einfacher als die Proben vorher ohne sie, da die eher schwierigen Rhythmen in der Band fast immer auch vorkommen, andererseits war es auch schwierig, vor allem bei den Soli, weil sich die Bandmitglieder dort natürlich sehr viele rhythmische Freiheiten genommen haben. Das war, glaube ich, auch für Laurent eine Herausforderung, da er das ja auch nicht gewohnt ist.
Hat es den Mitspieler:innen gefallen?
Wir hatten für dieses Projekt eher weniger Anmeldungen als sonst. (Anm. d. Red.: Die Musiker:innen aus dem TSO-Mitspieler:innenpool melden sich vor der Saison für eine beliebige Anzahl der fünf Abonnementskonzert-Projekte an.) Auch bei den Angemeldeten habe ich am Anfang eine gewisse Skepsis gespürt. Aber spätestens in der Konzertwoche ist der Funken dann bei allen gesprungen. Ich habe extrem viele strahlende Gesichter gesehen – mehr als sonst. Vielleicht wagt man bei dieser Musik auch einfach eher, seine Emotionen zu zeigen. Vielleicht wurden wir angesteckt durch den extrovertierten Sänger. Ich hoffe auf jeden Fall, dass das nachwirken wird!
Seid ihr zufrieden mit dem Resultat?
Ja, wir sind sehr zufrieden. Es war eine ganz neue Erfahrung, die auch dem ganzen Orchester gutgetan hat. Gleichzeitig freuen wir uns aber auch wieder auf Musik, bei der man sich auf dem eigenen Instrument ausleben kann. Wir Cellist:innen haben zum Beispiel mehr gezupft und Schlagzeug gespielt als Cello.
Würdet ihr nach der Big Wig-Erfahrung in Zukunft wieder einmal ein ähnliches Projekt machen?
Sicher gerne, aber nicht sofort. Inflation ist nicht gut. Es gibt ja leider auch nicht Tausend solche Werke, die geeignet und interessant wären. Es war ja nicht herkömmliches Crossover mit den Songs einer Band, die vom Orchester untermalt werden. The Big Wig wurde von Anfang an orchestral komponiert, das macht schon einen gewaltigen Unterschied.
Wie viel Publikum war da? Ich hatte den Eindruck, dass bei meinem Konzertbesuch mehr Leute im Saal sassen als bei euren «normalen» Abonnementskonzerten?
Der Schadausaal war zwei Mal fast voll. Es kamen nicht nur mehr Leute, es kamen auch andere Leute. Und das Publikum war deutlich jünger als sonst. Ich habe aber auch von älteren Menschen und Abonnent:innen viele positive Rückmeldungen erhalten. Darüber habe ich mich besonders gefreut.
www.thunerstadtorchester.ch
www.hildegardlerntfliegen.ch
Dieser Artikel wurde erstmals im Herbst 2022 auf den EOV-Seiten der Schweizer Musikzeitung veröffentlicht.