Die Delegierten stimmten dem Projekt «Resonanz» am 22. November 2025 an einer a.o. DV in Zürich zu.

Abschied von der SMZ nach 28 Jahren: Innovation in der Kommunikation hat beim EOV Tradition

Der EOV verabschiedete sich per Ende 2025 nach 28 Jahren mit Wehmut von der SMZ. Gleichzeitig freuen wir uns, mit dem neuen Online-Magazin «Resonanz» die Chancen der digitalen Medienwelt zu nutzen. Es ist nicht das erste Mal in seiner mehr als 100-jährigen Geschichte, dass der EOV seine Kommunikation an neue Zeiten anpasst.

Mit einer alternativen Version des vorliegenden Artikels auf den EOV-Seiten der SMZ-Dezember-Ausgabe 2025 endete für den EOV und seine Mitgliedsorchester eine 28-jährige Geschichte. Der EOV hatte den Vertrag mit der Galledia AG über die Schweizer Musikzeitung per Ende 2025 gekündigt, um ab 2026 ein eigenes Online-Magazin betreiben. Dieser Schritt war nötig geworden, weil sich der EOV angesichts der Kürzung von neun auf sechs SMZ-Ausgaben pro Jahr nicht mehr in der Lage sah, die Verbandskommunikation mittels SMZ adäquat sicherzustellen.

Der Abschied fiel uns alles andere als leicht, insbesondere die Zusammenarbeit mit der Hauptredaktion und den Verbandsredaktorinnen und -redaktoren wird uns fehlen, dennoch sehen wir den Neuanfang auch als Chance für Innovation.

An einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung am Samstag, 22. November 205 in Zürich hatten rund 40 Orchesterdelegierte vor Ort das Projekt «Resonanz» und das dafür benötigte Budget gutgeheissen. Mehr als ein Dutzend Orchestervertreterinnen und -vertreter verfolgten die a.o. DV zudem online. Ein Projektteam aus dem EOV-Vorstand hatte seit Monaten intensive Vorarbeiten geleistet. Die Konzeptentwicklung war weit fortgeschritten, ein detaillierter Designentwurf lag vor und konnte den Delegierten präsentiert werden.

Delegierte an a.o. DV in Zürich von geplanten «Resonanz»-Funktionen begeistert

Im Januar begann die technische Umsetzung von «Resonanz» zusammen mit dem Partner MadLab aus Wabern bei Bern, einem langjährigen Anbieter von Online-Magazin-Lösungen. Vor der DV am 6. Juni in Rapperswil ging das neue Magazin live.

Zehn Mal jährlich werden wir zukünftig einen Newsletter – quasi als Ausgaben – mit den neuen «Resonanz»-Artikeln verschicken. Alle Artikel können auch bequem als PDF heruntergeladen, ausgedruckt und so an Orchestermitglieder, die analog unterwegs sind, verteilt werden.

Im neuen Online-Magazin werden wir Verbands-Mitteilungen, Kultur-News und Hintergrund-Artikel zu für Jugend- und Amateurorchester relevanten Themen veröffentlichen. Vor allem aber werden die Mitgliedsorchester in massgeschneiderten Gefässen ganz viel Platz bekommen, um sich, ihre Konzerte und ihre Ideen zu präsentieren und sich auszutauschen.

Das Herzstück bildet ein Konzertkalender – mit automatischem Export auf einschlägige Veranstaltungsplattformen –, in welchem von den EOV-Orchestern auch Kurzporträts, Bildergalerien und nach dem Anlass Konzertberichte publiziert werden können. Wir wollen damit unserer Orchester-Community eine vielfältige Plattform bieten in einer Zeit, in welcher der traditionelle Kulturjournalismus auch in Lokalzeitungen immer mehr verschwindet.

In der Rubrik «Best Practice» werden jeden Monat Orchestervertreter:innen interviewt werden, um ihre Expertise zu spezifischen Themen rund ums Musizieren im Orchesterverein zu teilen.

Die Delegierten in Zürich zeigten sich vom neuen Online-Magazin des EOV äusserst angetan und sie stellten zahlreiche konstruktive Fragen. Insbesondere der Community-Gedanke von «Resonanz», die Hintergrund-Artikel mit direktem Mehrwert für die Orchester, die schnellere Kommunikation sowie die Option, dank PDF-Funktion und Druck die Artikel weiterhin auf Papier lesen zu können, stiessen bei den Anwesenden auf Begeisterung. Vereinzelte Stimmen äusserten ihr Bedauern darüber, dass der EOV nicht mehr mit der SMZ kommunizieren wird.

Mit der Zeit gehen: «Resonanz» wird das fünfte Kommunikationsorgan des EOV in seiner 108-jährigen Geschichte

Innovation in der Kommunikation hat beim EOV jedoch Tradition. Der Verband musste sein Mitteilungsorgan in den 108 Jahren seines Bestehens schon einige Male neu aufstellen und an sich ändernde Zeiten anpassen. So wird «Resonanz» das fünfte offizielle EOV-Verbandsorgan werden.

Nach der Gründung des Eidgenössischen Orchesterverbandes im Jahr 1918 entschied sich der damalige Vorstand, sich der Publikation des Eidgenössischen Musikvereins, des Verbandes der Blasmusikvereine, anzuschliessen und die «Schweizerische Zeitschrift für Instrumentalmusik» als Organ zu übernehmen. Nach einigen Jahren wurde jedoch deutlich, dass die Kommunikationsbedürfnisse von Blasmusik- und Orchestervereinen stark auseinandergingen, und der EOV entschied sich für eine eigene Zeitschrift.

«Das Orchester», eine «schweizerische Monatsschrift zur Förderung der Orchester- und Hausmusik», wie der Untertitel ausführte, war ab 1935 das offizielle EOV-Publikationsorgan. Das Medium ging aber bereits Ende 1939 wieder ein, weil dessen Verlag kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schliessen musste.

Ab 1940 erschien mit der «Sinfonia» eine neue, EOV-eigene Zeitschrift im Zuger Verlag von Josef Kündig und später seines Sohnes Markus Kündig (seines Zeichens auch 20 Jahre lang Zuger Ständerat und später UBS-Verwaltungsrat). Die «Sinfonia» versorgte während 57 Jahren Laienorchestermitglieder in der ganzen Schweiz mit EOV-Mitteilungen, Informationen aus den einzelnen Orchestervereinen und Berichte zu klassischer Musik. Das Format und das Erscheinungsintervall der «Sinfonia» wurden in dieser Zeit aus Kostengründen mehrmals angepasst, bis das Heft Ende der 1990er Jahre nicht mehr finanzierbar war.

EOV war 1997 Gründungsmitglied der SMZ

1997 gehörte der EOV zusammen mit fünf weiteren Musikverbänden, nämlich dem Verband Musikschulen Schweiz (VMS), dem Schweizerischen Musikerverband (SMV), dem Schweizerischen Musikpädagogischen Verband (SMPV), Jeunesse Musicale Suisse (JMS) und dem Schweizer Musikrat (SMR), welcher die Projektleitung innehatte, zu den Gründungsmitgliedern der Schweizer Musikzeitung. Das Projekt der sechs Verbände war vom Bundesamt für Kultur (BAK) angeregt und unterstützt worden. Mit dem gemeinsamen Publikationsorgan sollten die defizitären Zeitschriften der einzelnen Verbände abgelöst und Synergien genutzt sowie der Austausch in der Musikbranche gefördert werden.

Das Projekt glückte. Die SMZ konnte sich als Zeitung mit qualitativ hochstehenden Inhalten schnell einen Namen machen und die Musikverbände näher zusammenbringen. Der Erfolg war vor allem dem grossartigen Redaktionsteam zu verdanken, dessen Mitglieder zum Zeitpunkt des Ausstiegs des EOV alle langjährig und teilweise seit den Anfängen dabei waren.

Trotzdem blieb die Musikzeitung von den grossen Entwicklungen in der Medienbranche nicht verschont. War die SMZ in den ersten Jahren die Plattform für Stellen in der Musikbranche, ging das Inseratevolumen schon nach wenigen Jahren stetig zurück. Die SMZ geriet finanziell zunehmend unter Druck. Ende 2014 musste der Verein Schweizer Musikzeitung liquidiert werden. Der EOV war mit seinem Vorstandsmitglied René Roshardt massgeblich daran beteiligt, dass ein Verkauf der Zeitung an die NZZ Fachmedien AG gelang und der Titel dadurch gerettet werden konnte. Die Verbände wurden damit allerdings zu Kunden ihres eigenen Produkts und verloren jegliches Mitbestimmungsrecht über die Ausrichtung und Zukunft der SMZ. Die NZZ Fachmedien verkauften die SMZ 2019 weiter an CH Media, bis die Musikzeitung 2021 schliesslich von der Galledia AG übernommen wurde.

Die jüngsten Leistungskürzungen der Galledia zwangen den EOV zum Abschied von der SMZ und zu neuen Medienufern aufzubrechen. Wir freuen uns auf das neue Abenteuer im Zeitalter der Digitalisierung und die damit verbundenen Chancen. Gleichzeitig sind wir dankbar für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Verbänden und der Redaktion. Der Chefredaktorin Katrin Spelinova und ihrem Team mit Pia Schwab und Jean-Damien Humair danken wir von Herzen für ihr stets riesiges Engagement und ihre kompetente Arbeit.