Was hat sich in dieser Zeit bei den Mitgliedsorchestern sowie in der Schweizer Kulturlandschaft verändert? Welche grossen Entwicklungen kannst bzw. konntest du konkret beobachten?
Die Megatrends der Gesellschaft, insbesondere die Digitalisierung, verändern auch die Amateurorchesterszene. Mit den heute allgegenwärtigen Sozialen Medien ist alles sehr viel schnelllebiger geworden. Manche unserer Orchester nutzen die Sozialen Medien effektiv und lustig, um sich darzustellen und zu werben. Das gab es vor 15 Jahren noch kaum. Weiter spielen immer mehr Orchestermusikerinnen und -musiker von iPads statt von konventionellen Papier-Noten. Auch bei der Verbandskommunikation des EOV war ja jetzt der Wechsel vom gedruckten zum digitalen Format fällig.
Was sich sicher auch verändert hat, ist der Probemodus: Früher war es Standard, dass die Orchester einmal wöchentlich proben und dann zwei Mal jährlich Konzerte geben. Das wird von einigen Orchestern zwar immer noch so gemacht, doch heute wird vermehrt auf Projektformate gesetzt, nach dem Motto «kurz, aber intensiv».
Auch die Delegiertenversammlungen haben sich gewandelt. Früher waren es Veranstaltungen, teilweise zweitägige, an denen der EOV noch die sogenannten «Orchesterwerkstätten» anbot. Wir haben dann aber gemerkt, dass unsere Mitglieder nicht unbedingt das Bedürfnis haben, an der DV auch noch Musik zu machen. Seit einigen Jahren nutzen wir die Delegiertenversammlungen für Weiterbildungen rund um das Orchester-Management – und haben damit einigen Erfolg.
Ein Vorstandsamt ist zeitintensiv, insbesondere das Präsidium. Wie wirst du die neugewonnene Zeit nutzen?
Ich hoffe, wieder vermehrt selbst Musik machen zu können. Das kam in letzter Zeit definitiv zu kurz. Auch in die Berge gehe ich gerne wieder etwas öfter. Und dann finden einen solche Ämtli ja von selbst immer wieder. Mal schauen, wohin es mich diesbezüglich verschlägt.
Was wünschst du dem EOV für die Zukunft? Wo muss der Verband deiner Ansicht nach dranbleiben und wo kann er etwas erreichen? Welchen Rat gibst du deinem Nachfolger Stephan Matter mit auf den Weg?
Ich wünsche dem EOV, dass er sich mutig und agil den Herausforderungen der Gegenwart stellt. Unsere stabilen Mitgliederzahlen zeigen, dass der Verband grundsätzlich gut unterwegs ist.
Wichtig erscheint mir für die Zukunft, dass es den Amateur-Kulturverbänden gelingt, gemeinsame Positionen zu erarbeiten und diese in der Politik und der Öffentlichkeit lautstark zu vertreten. Wir sind viele! Da kommt eine geballte Kraft zusammen.
Meinem Nachfolger Stephan Matter konkrete Ratschläge auf den Weg zu geben, möchte ich mir nicht anmassen. Er kennt unsere Community sehr gut aus diversen Orchestern vom Selberspielen, von Netzwerktreffen und aufgrund seiner Gabe zu beobachten. Ich freue mich auf die neuen Impulse, die der Verband unter seiner Führung erhalten wird.
Vielen Dank, lieber Johannes, für diese interessanten Antworten. Vor allem aber danken wir dir von Herzen für dein riesiges Engagement und die Leidenschaft, mit welcher du den EOV über all die Jahre geführt hast. Für deine Zukunft – musikalisch, privat und beruflich – wünschen wir dir viel Glück und nur das Allerbeste! Wir hoffen, dass sich unsere Wege wieder kreuzen. Als neues Ehrenmitglied bleibst du dem EOV ja hoffentlich noch etwas erhalten.
Auch Bernadette Wiederkehr (nach 15 Amtsjahren, Vizepräsidentin und Co-Organisatorin DV), Miriam Schild (nach 11 Jahren, Kommunikationsverantwortliche und Verbandsredaktorin SMZ, die hier Schreibende) und Lena Ruoss (nach vier Jahren, Verbandsjuristin und Co-Organisatorin DV) traten an der DV 2026 von ihren Ämtern zurück. Johannes Reinhard würdigte alle drei weiteren Zurückgetretenen mit einer persönlichen Laudatio für ihr jahrelanges Wirken für den Verband.
Allen vier abtretenden Vorstandsmitgliedern wurde schliesslich mit liebevoll ausgesuchten Geschenken – u.a. einem EOV-Schneidebrettchen aus Schweizer Holz – für ihren grossen Einsatz für den EOV verdankt. Johannes Reinhard, Bernadette Wiederkehr und Miriam Schild wurden zusätzlich zu EOV-Ehrenmitgliedern ernannt.