Titelbild zum Referat von Sibylle Spengler von der Agentur Fundtastic an der DV 2025.

«Fundraising ist Beziehungspflege»

Fundraising-Expertin Sibylle Spengler zeigte in ihrem Referat im Rahmen der DV 2025 in Solothurn auf, dass das Spendenpotential für Orchestervereine vor allem bei Privatpersonen liegt. Sie betonte, dass man eine langfristige Beziehung zu den Spendenden aufbauen müsse.

Die meisten Orchestervereine müssen neben den Einnahmen aus Kartenverkauf, Kollekten und Mitgliederbeiträgen zusätzliche Mittel beschaffen, um ihre Konzertprojekte zu verwirklichen, was oft eine grosse Herausforderung darstellt. Der EOV-Vorstand hatte deshalb die renommierte Fundraising-Expertin Sibylle Spengler eingeladen, im Rahmen der DV in Solothurn ein Referat zum Thema «Fundraising für Orchestervereine» zu halten. Das Interesse an der 90-minütigen Weiterbildung mit Spengler, Inhaberin der Fundraising-Agentur Fundtastic in Zürich, war gross: Mehr als 70 Teilnehmende lauschten gebannt den fundierten Ausführungen Spenglers, die mehr als 25 Jahre in leitender Funktion bei verschiedenen NGOs arbeitete.

Sie gab einen wertvollen Überblick über den Spendenmarkt Schweiz und erläuterte basierend darauf, wie Fundraising für Orchestervereine funktionieren kann.

Es gebe in der Schweiz rund 100'000 Non-Profit-Organisationen (Vereine und andere), die sich ein Spendenvolumen von rund 2.5 Milliarden Franken teilen, so Spengler.

70 Prozent der Spendengelder von Privatpersonen

Interessant sei nun, wer dieses Geld spende: 26 Prozent der Spenden kommen von Institutionen – zum Beispiel von Stiftungen. Dieses Geld gehe oft an grössere Projekte für einen ganz bestimmten Zweck. Nur vier Prozent des Spendenkuchens tragen Unternehmen bei. 70 Prozent der Spendengelder werden hingegen von Privathaushalten gespendet (inkl. Legate). «Die Spenden von Privatpersonen in der Schweiz machen also mehr als zwei Drittel des Spendenkuchens aus», verdeutlichte Spengler den Sachverhalt. Folglich liege das weitaus grösste Spendenpotential für Orchestervereine bei Privatpersonen. 

Als Orchesterverein habe man nun die Aufgabe, Beziehungen zu potentiellen Spender:innen in seinem Umfeld aufzubauen und diese über Jahre zu pflegen. «Die Spenderinnen und Spender sind nicht Geldquellen, sondern Menschen», unterstrich Spengler mehrmals. «Sie wollen etwas unterstützen, das ihnen wichtig ist, und dazugehören.» Idealerweise baue man deshalb einen Freundeskreis oder einen Gönnerverein auf.

Dazugehören durch Freundeskreis und Veranstaltungen

Für die Beziehungspflege und Teilhabe habe man als Orchesterverein optimale Voraussetzungen, da man mit den Konzerten regelmässig Veranstaltungen durchführe. Hier könne man den Spender:innen Benefits anbieten. Zum Beispiel einen Apéro, einen Austausch mit den Künstler:innen oder einen exklusiven Vorverkauf. 

Wichtig sei weiter, dass man sich regelmässig bei seinen Spender:innen melde und jede Spende verdanke. «Langjährige Spender:innen haben eine enge Bindung an die Organisation und spenden tendenziell immer höhere Beträge», erklärte Spengler. Diese Spenderinnen und Spender könnten dann für ein besonderes Projekt auch mal für eine Sonderspende angefragt werden und würden sich freuen, dass man an sie gedacht hat. Man könne in seinen Broschüren auch auf die Möglichkeit einer Schenkung oder eines Legats hinweisen.

Zentral beim Fundraising sei es schliesslich, dass man langfristig denke und arbeite, sagte Spengler. Es brauche Jahre, um eine starke Community aufzubauen. Diese Menschen seien dann aber umso treuer dabei.

Das Handout und die Präsentation zum Referat von Sibylle Spengler können auf der EOV-Website heruntergeladen werden: www.eov-sfo.ch

Dieser Artikel wurde erstmals im Jahr 2025 auf den EOV-Seiten in der Schweizer Musikzeitung veröffentlicht.